82. Kleinkinder als Content: Brauchen Familien-Influencer klarere Regeln?

Shownotes

Kinder als Nebendarsteller in den vermarkteten Leben ihrer Eltern: Eine neue Studie des Hans-Bredow-Instituts hat ergeben, dass Darstellungen von Babys und Kleinkindern im Influencer-Bereich weit verbreitet sind. Rund ein Drittel der Eltern, die als Familien-Influencer auftreten, zeigen ihre Kinder Millionen Followern ohne sie unkenntlich zu machen, teilweise auch in sehr intimen Situationen.

Das Risiko: Durch die Kombination aus Bildern und persönlichen Informationen entsteht für die Kinder ein dauerhafter digitaler Fußabdruck, der auch Missbrauch Tür und Tor öffnet. Zugleich bewegen sich viele Inhalte in einem Spannungsfeld zwischen privatem Familienleben und kommerzieller Verwertung – oft ohne klare rechtliche Leitplanken.

Was kann und sollte aus diesen Ergebnissen folgen? Darüber spricht Alexander Matzkeit mit Cornelia Holsten, Direktorin der Bremischen Landesmedienanstalt, die die Studie gemeinsam mit vier anderen Landesmedienanstalten in Auftrag gegeben hat. Welche Rolle könnten etwa das Jugendarbeitsschutzgesetz oder der Jugendmedienschutz spielen? Und wie wirksam sind Selbstverpflichtungen von Influencer:innen, Agenturen und Werbewirtschaft?

Außerdem in der Medienkritik: das Social-Video-Format „Know Your Bro“ vom BR, das sich mit Fragen von moderner, junger Männlichkeit beschäftigt und für mehr Empathie wirbt. Gute Idee, aber reicht das, um im endlosen Scrollen wirklich hängen zu bleiben?

Links zur Sendung:
epd medien: Studie der Medienanstalten zeigt Risiken des "Family-Influencings"
leibniz-hbi.de: Darstellung von Babys und Kleinkindern in monetarisierten Social-Media-Profilen
Studie im Volltext
Handlungsempfehlungen der Landesmedienanstalten für Family-Influencer:innen und Werbewirtschaft
LÄUFT #52: Die Marienhof-Connection (Teil 2)
"Know Your Bro" auf Instagram
"Know Your Bro" auf TikTok

Eine Produktion von epd medien und Grimme-Institut 2026

Transkript anzeigen

00:00:05: Herzlich willkommen zu läuft, dem Podcast von EPD Medien und Grimme-Institut.

00:00:10: Unsere heutige Gästin Cornelia Holsten war schon einmal in Läuft zu hören – und zwar im zweiten Teil unserer Doppelfolge zum Marienhof-Schleichwerbeskandal.

00:00:19: Damals wie heute ging es um Influencer hin.

00:00:26: Sie kennt sich wie kaum jemand anderes aus mit den regulatorischen Rahmenbedingungen, in denen die Personen agieren, denen auf sozialen Medien Tausende, Hunderttausende oder sogar Millionen Menschen folgen.

00:00:38: Ein Thema, mit dem sich Holsten bei InfluencerInnen schon länger beschäftigt sind die sogenannten Family-Influencer und dort vor allem der Schutz sehr kleiner Kinder im Alter von null bis fünf Jahren.

00:00:52: Jetzt gibt es dazu auch Wissenschaft.

00:00:54: Das Hans-Bredo-Institut hat im Auftrag der Bremer und von vier weiteren Landesmedienanstalten die Postings von über dreihundertfünfzig Social Media Accounts ausgewertet.

00:01:05: Der Fokus?

00:01:06: Werden Kinder im Kleinkindalter gezeigt, wenn ja wie?

00:01:10: Und wie kann man alle Beteiligten besser für das Thema sensibilisieren?

00:01:19: In diesem Video der ehemaligen Berlintag-und Nachtschauspielerin und heute Influencerin Anne Wünsche, Sieht man, wie das knapp vierjährige Kind im Mallorquinischen Garten Ostereier sucht?

00:01:32: Die meiste Zeit sieht man es von hinten.

00:01:34: Aber einmal dreht sich um und sieht seine filmende Mutter an!

00:01:38: In diesem Moment erscheint ein Bären-Emoji über dem Gesicht – Das Recht am eigenen Bild des Kindes bleibt gewahrt.

00:01:44: Damit gehört Wünsche zu den rund zwei Dritteln der untersuchten Influencer die ihre Kinder in Fotos und Videos unkenntlich

00:01:51: macht.

00:01:52: Das übrige Drittel darunter einige der Reichweiten stärksten Accounts zeigt seine Kinder gerne auch Mitgesicht.

00:01:58: Die Kinder sind Komparsinnen und NebendarstellerInnen im Leben ihrer berühmten Eltern, Authentizitätsnachweis, Interaktionsaspekt und Community-Verstärker wie die Autorin um Claudia Lampert und Stefan Dreyer schreiben.

00:02:13: Gemeinsam mit anderen persönlichen Daten zum Beispiel Namen und Geburtsdatum lassen sich die Kinder auf diese Art eindeutig identifizieren.

00:02:21: Es entsteht ein dauerhafter Fußabdruck der Person im Netz von Geburt an, der von verschiedenen Akteuren ausgenutzt werden kann.

00:02:28: Von Plattformen durch das Erstellen von datengetriebenen Profilen bis hin zu dritten mit bösartigen

00:02:34: Absichten.".

00:02:35: Es handelt sich um eine Zitat systematische Öffnung eines kindlichen Privat- und Schutzraums gegenüber einer unbestimmten nicht kontrollierbaren Öffentlichkeit heißt es in der Studie.

00:02:49: Nicht zuletzt selbst als Vater hat mich auch bedrückt, wie die Autorinnen weitere Risikenschildern den Kinder ausgesetzt sind.

00:02:57: Die Absäuglingsalter zur Selbstinszenierung ihrer Eltern gehören.

00:03:01: Selbst wenn sie darin nicht zentral sind?

00:03:03: Die Kinder werden zum Teil der Marke.

00:03:05: Die Zeit, die Sie mit ihren Eltern verbringen muss zum Teil ökonomischen und Aufmerksamkeitslogiken folgen.

00:03:12: Ausgerechnet die engsten Bezugspersonen sind quasi gleichzeitig Arbeitgeber oft in den privatesten Situationen.

00:03:20: Deswegen gehört zur Studie auch eine umfangreiche Begutachtung der aktuellen Rechtslage und regulatorischen Handhabe für dieses Thema, von Jugendmedienschutz bis Arbeitsschutz.

00:03:30: Und deswegen mündet das Ganze am Ende auch in eine Reihe von Handlungsempfehlungen für verschiedene Adressaten – Gesetzgeber, Werbewirtschaft aber auch die Influencerinnen selbst und die Medienanstalten, die sie regulieren sollen so weit Sie das können!

00:03:46: Mit Cornelia Holsten wollte ich vor allem über diese Fragen sprechen.

00:03:49: Was können die Erkenntnisse aus der Studie für Folgen haben?

00:03:53: Was sollten sie für folgen haben und wie sehen die Erfolgsaussichten aus.

00:03:58: Und wo wir schon bei Social Media sind, ich schaue mir diesen Monat auch in der Medienkritik mal ein Kurzvideoformat an.

00:04:05: Es heißt Know Your Bro stammt von B.R.

00:04:08: Puls und soll junge Männer empathischer machen.

00:04:11: Das gibt es nach dem Interview.

00:04:13: Mein Name ist Alexander Matzkeit.

00:04:15: Schön dass ihr zuhört.

00:04:18: Hallo Frau Holsten!

00:04:20: Hallo Herr MatzKEIT.

00:04:21: Danke für die Einladung Diese

00:04:22: Studie, was ist für Sie da das wichtigste Ergebnis?

00:04:25: Also ich glaube, dass Wichtigste für mich persönlich ist.

00:04:29: Dass dieser Satz Ach!

00:04:32: Das ist ja nur so ein Nischen-Trennthema von jungen Familien widerlegt ist und dass wir zeigen konnten also wir sind mit fünf Landesmedienanstalten losgegangen und haben dieses Forschungsprojekt durch das Leibniz Institut Hans Bredow Institut geschafft auf den Weg zu bringen dass wir belegen konnten, dass wirklich ganz schön viele Postings klar erkennbare Kinderdarstellungen beinhalten und vor allem das damit eine ungeheure Reichweite erreicht wird und geschaffen wird.

00:05:09: Die Zahlen sind da wirklich sehr beeindruckend und das belegt – Das Thema existiert tatsächlich!

00:05:17: Ich finde auch, man bekommt beim Lesen der Studie fast so ein bisschen den Eindruck dass sich die Autorin immer wieder gegen Leute wappnen wollen.

00:05:24: Die sagen ach das ist doch alles gar nicht so wild!

00:05:27: Ich glaube das ist nicht so sehr der Punkt es ist nicht zu wild sondern was wir im Vorfeld immer wieder erlebt haben war natürlich das Menschen die nicht genau in der Bubble junger Familien sind das nicht in ihrem Feed haben und sich das deswegen gar nicht vorstellen konnten dass es sowas gibt.

00:05:47: Also ich will damit sagen, wenn es jetzt zum Beispiel auf Social Media Abbildungen gäbe von kleinen Kindern die an der Bierflasche nuckeln.

00:05:56: Würde das sofort eine Aufschrei geben?

00:06:00: Weil jeder Venge weiß, Bier flaschen und Bier zu trinken ist für Babys nicht so gesundheitsförderlich.

00:06:08: Aber diese speziellen Feeds, die ja häufig damit zu tun haben Welche Windelsorte ist die beste oder welchen Babybrei gibt es?

00:06:17: Oder welche neue Faltechnik vom Babytuch kann ich befolgen, das ist halt einer großen Gruppe Menschen überhaupt nicht klar gewesen.

00:06:29: Sie

00:06:29: sind dem Thema ja wie ich schon gesagt habe schon länger auf der Spur.

00:06:32: sie haben auch schon vor sechs Jahren in Epidemedien mal einen Artikel dazu geschrieben und interessant finde ich dass einige der Empfehlungen sich jetzt in der Studie finden dort in dem Artikel schon als Fragen formuliert waren.

00:06:46: Also sollten wir nicht vielleicht das und das verbieten oder sollten wir vielleicht nicht in diese Richtung wirken?

00:06:53: Also haben Sie sich im Grunde die Studie beauftragt, die Ihnen das rausgibt was sie gerne haben wollten?

00:07:00: Nein so war das bestimmt nicht nochmal ich war nicht alleine wir waren mit mehreren und die Studier wurde ja auch unabhängig vom Ergebnis beauftragt.

00:07:10: dass das jetzt schon sehr ähnlich dem ist, was am Anfang mal noch meine Gedanken waren hat wahrscheinlich einfach damit zu tun dass es nun mal so ist und das es rechtlich nunmal bestimmte Bereiche gibt die zu berücksichtigen sind.

00:07:30: Und das hatte ich damals bei meinem Aufsatz für EPD noch gar nicht mit berücksichtigt.

00:07:37: Das ist halt auch ganz viele Punkte rund um's Kindeswohl gibt, die im Familienrecht eine Rolle spielen.

00:07:44: Also man kann das immer weiter denken.

00:07:47: ich gebe aber zu dass ich vor sechs Jahren ehrlich gesagt nie auf die Idee gekommen wäre, dass das Thema oder dass das Problem immer noch existent ist.

00:07:59: damals habe ich gedacht es wird doch jetzt schnell gelöst und das ist ja so einfach und so klar.

00:08:06: da werden die Agenturen schon ganz schnell drauf achten und dann ist es nicht mehr.

00:08:11: Aber das, was gut klickt hält sich halt manchmal sehr

00:08:15: hartnäckig.".

00:08:16: Wenn wir uns jetzt diese Handlungsempfehlungen der Studienautorin mal anschauen... Ich fand es wirklich interessant, dass der Haupthebel zu sein scheint, dass man sich wirklich mal das Jugendarbeitsschutzgesetz anschaut.

00:08:28: Und wenn ich das richtig verstanden habe gibt es so zwei Wege die man gehen kann.

00:08:31: sie können mich gerne gleich korrigieren.

00:08:34: Die eine Möglichkeit wäre, dass ein französischer Vorbild folgt.

00:08:38: Dort gibt es wohl seit einiger Zeit deutlich höhere Hürden überhaupt, um Genehmigungen zu bekommen.

00:08:45: Kinder für Influencer in Arbeiten zu lassen – ich sage das jetzt mal so in Anführungsstrichen und auch das Geld was damit verdient wird muss zu großen Teilen auf Treuhandkonten eingezahlt werden zum Beispiel so dass es den Kindern zugutekommt.

00:08:57: Die andere Möglichkeit die skizziert wird in der Studie ist, dass man es den Influencern sogar einfacher macht Ausnahmegenehmigung zu bekommen damit sie sich überhaupt mal mit dem Thema auseinandersetzen und dass man das dann als Einfallstour nimmt, um Sie aufzuklären.

00:09:12: Hab ich das richtig verstanden?

00:09:13: Was die Treuhand-Lösung angeht, das gibt es in Frankreich.

00:09:17: Das gibt es auch in den USA in ein paar Bundesstaaten schon ewig lange.

00:09:22: In Frankreich ist das Gesetz meines Wissens nach noch nicht scharf geschaltet also da gibt es noch keine Möglichkeit zu evaluieren ob das auch funktioniert hat.

00:09:34: Grundsätzlich könnten Eltern das in Deutschland natürlich auch jetzt schon machen und so ein Treuhandkonto zugunsten der Kinder einrichten mit den Einnahmen aus solchen kommerziellen Tätigkeiten.

00:09:45: Denn, dass ist mir auch nochmal ganz wichtig an dieser Stelle zu betonen es geht für uns nicht um ein allgemeines Kinderverbot auf Social Media.

00:09:56: wir haben uns angeguckt die kommerzielle Verwertung von klar erkennbaren Kinderaufnahmen.

00:10:05: Und das ist noch was anderes als, dass Kinder im Internet verboten werden – das wollen wir nicht!

00:10:13: Zurück zum Jugendarbeitsschutzgesetz.

00:10:15: Ich glaube persönlich, dass der einfachste Weg darin bestehen könnte die Regelungen, die z.B.

00:10:23: gelten wenn ich am Set tätig bin, wenn der Kinderarzt nochmal drauf schauen muss und das Jugendamt Senko geben muss Dokumente vorliegen, dann darf auch ein Kind, ein Kleinkind am Set gefilmt werden.

00:10:39: Dass das auch für Social Media anwendbar erklärt wird.

00:10:44: Das ist so ähnlich auch in den USA, in einem Bundesstaat dort gemacht worden und das glaube ich ist der einfachste Weg.

00:10:53: In der Studie wird geschildert man könnte es noch ein bisschen einfacher machen indem man so eine Art Anzeigepflicht generiert statt einer Genehmigungspflicht, um die Eltern noch mehr zu motivieren.

00:11:09: Jetzt nicht einen langen Behörden-Umweg gehen zu müssen.

00:11:15: Aber vorher müssen wir überhaupt erst mal sowohl die Behörde als auch die Eltern alle darüber aufklären, dass es nun einmal hier wirklich Handlungsbedarf gibt und ich bin mir noch nicht sicher ob schon alle Jugendämter das wirklich auf dem Schirm haben.

00:11:33: Nochmal, weil das eben ursprünglich ein Thema war was nur in bestimmten Viz-Auftauch die sich damit beschäftigen und wenn jetzt jemand nicht gerade ein junges Kind hat oder ein junger Enkelkind dann kriegt die Person davon vielleicht gar nichts mit.

00:11:50: Sehen Sie denn dass es dabei den gesetzgebenden Organen einen Momentum vergibt eventuell?

00:11:56: Ja da hat sich das Bewusstsein extrem verbessert.

00:12:01: Es gibt dazu sogar auch ein Dokument der Kinderkommission.

00:12:06: Der dortige Vorsitzende ist auch sehr engagiert in dem Thema, da stelle ich schon fest, dass sich die Politik viel stärker dafür interessiert und auch bereit ist es sich zu engagieren.

00:12:20: Ich glaube das Problem ist so ein bisschen, dass sehr unterschiedliche Bereiche betroffen sind also einmal das Jugendarbeitsschutzgesetz dann Das Familienrecht, das sind unterschiedliche Ressorts die sich damit dann beschäftigen.

00:12:37: Die müssen dann halt alle gut zusammenarbeiten und es gibt natürlich auch noch die Möglichkeit dass die Länder den Jugendmedienschutz-Staatsvertrag anpassen.

00:12:46: Es sind da noch wieder andere Handelnde und deswegen hoffe ich dass da dieser Pfung, den ich im Moment meine dort zu spüren dass der schön bleibt und dass er in Taten umgesetzt wird.

00:13:00: Aus der Studie jetzt sozusagen als Ergebnis rausgekommen sind ja auch zwei Seiten mit Handlungsempfehlungen für Family-Influencerinnen von vier Landesmedienanstalten.

00:13:11: können Sie nochmal zusammenfassen, was sie jetzt der Meinung sind?

00:13:15: Was da so die wichtigen Punkte sind, die da drin stehen?

00:13:18: Ja bei den Handlungsempfehlungen für die Family Influencerinnen geht es vor allem noch mal darum zu sensibilisieren stellt egal was ihr tut, immer das Kindeswohl an erste Stelle.

00:13:31: Es gibt durchaus viele die sich das einfach nicht vorstellen können.

00:13:35: Das ist doch häufig so bei Gefahren dass man denkt naja das mir wird das schon nicht passieren.

00:13:41: also unsere Bilder werden schon nicht im Darknet landen sie werden schon in den Händen von Pädophilen landen.

00:13:48: und natürlich kann man auch als Family Influencer die Position vertreten.

00:13:54: wenn jetzt diese Bilder, die ich in gutem Glauben veröffentlicht habe.

00:13:59: Wenn sie von den Pädophilen aufgegriffen werden und zu schlechten Zwecken verwendet werden dann ist das ja eigentlich das Problem des Pädophile und nicht Mainz oder Unseres.

00:14:10: Und Ich glaube dass man hier auch ein bisschen die Influencer-Familien aus der Sorglosigkeit rausholen muss.

00:14:22: In Zeiten von Deepfakes gibt es quasi keinen Schutz davor und überlegt nochmal, wie ihr mit leichten Möglichkeiten solche Risiken vermeiden könnt.

00:14:33: In dem beispielsweise nicht gezeigt wird, wie das Kind den Babybrei in den Mund geschaufelt bekommt sondern indem man den Hochstuhl und das Glas Babybreis abbildet.

00:14:45: Dazu muss es nicht unbedingt diese Szene geben, die vielleicht für andere Zwecke noch missbraucht werden kann oder die vielleicht ein Kind auf gar keinen Fall von sich selbst im Netz finden, wenn es selbst vor zehn Jahre alt ist.

00:14:57: Denn dann kommt ja erst der peinliche Moment wo Kinder das realisieren, wo sie vielleicht von anderen darauf angesprochen werden.

00:15:06: und die Vorstellung jemand kommt neue in die Klasse und dann hat jemand gefunden keine Ahnung von einem Klassenkameraden die Töpfchen Fotos auf dem älterlichen Account, dann ist ja jedem klar das kann keinen Spaß machen für das betroffene Kind.

00:15:23: Und gleichzeitig die zweite Seite bezieht sich auf Werbewirtschaft und Agenturen.

00:15:29: Funktionieren diese Selbstverpflichtungen?

00:15:31: Gab es da schon Gespräche im Vorfeld?

00:15:34: Sehen Sie da wirklich eine Erfolgschance?

00:15:36: Ja, das tue ich!

00:15:37: Ich durfte einer Agentur, die sich hauptsächlich Kinder bezogene Produkte konzentriert, tatsächlich auch schon im letzten Jahr dabei behilflich sein so eine Kinderschutzklausel aufzunehmen.

00:15:54: Und die haben das sehr stolz in ihre Verträge reingenommen weil es natürlich auch ein gutes eine gute Haltung zeigt wenn die Agentur nochmal darstellen kann wie wichtig ihr Kindeswohl und der Schutz der Kinder ist.

00:16:10: Das weiß ich auch von anderen Agenturen die dadurch aus selbst bewusst sich hinstellen und sagen dann verzichten wir lieber auf den einen oder anderen Auftrag, wenn der Hersteller unbedingt möchte dass ein sehr kleines Kind fünfmal umgezogen in sieben verschiedenen Posen für keine Ahnung eine Strampelhose Werbung macht.

00:16:35: Auch in der Studie stehen mehrere Vorschläge so für so positive Verstärker also das man zum Beispiel so Exit-Strategien anbietet, was sich ein interessanter Begriff finde in dem Zusammenhang aber durchaus nicht unpassend oder auch so Vertrauenssiege für Profile sozusagen dass man nach außen hin kenntlich machen kann.

00:16:51: Man hält sich an die Regeln als Influencerin.

00:16:55: Der Zyniker in mir möchte da immer sagen das ist doch den Leuten egal solange sie Geld verdienen können?

00:17:00: Wie gut, dass ich ganz wenig Zynisches in mir habe!

00:17:02: Da kann ich jetzt ein paar Punkte aufzählen um hoffentlich den Zynika wieder in die Hundehütte zu schicken.

00:17:10: Denn wenn wir nicht anfangen, Alternativen zu schaffen, alternative Verhaltensmöglichkeiten, dann hört das ja nie auf.

00:17:18: Und ja, das stimmt dass natürlich Geld verdient werden soll und ja Das größte Dilemma ist Dass die Eltern gleichzeitig Fürsorgende sind für ihre Kinder- und ManagerInnen.

00:17:36: Aber was auch stimmt es dass alle Eltern in dieser Family Influencer Szene genauso ihre Kinder lieben, wie wenn sie nicht Family Influence werden.

00:17:48: Also das ist ja auch ein ganz großer Anteil an... Ich bin damit aufgewachsen auf Social Media.

00:17:56: die Bilder von mir sind da.

00:17:57: jetzt habe ich einen Kind.

00:17:58: das heißt ich begleite die Schwangerschaft, die Geburt, die ersten Entwicklungsschritte des Babys und da geht es ja nicht darum das Kindeswohl ist mir egal, sondern die Abwägung bewegt sich in so einem Punkt.

00:18:17: Es wird schon nichts passieren wie wenn Menschen nochmal schnell über die rote Ampel huschen um die Straßenbahn zu kriegen und das geht halt mal gut wir wissen aber alle nicht immer man hat da keine Gewähr drauf und deswegen ist es so wichtig hier nicht zu sagen naja dann können ja jetzt auch sagen die allermeisten machen es schon richtig.

00:18:39: Ist ja auch ein Befund der Studie, also zwei Drittel der Postings die Kinderbilder überhaupt beinhalten da sind die Kinder nicht klar erkennbar sondern die huschen so durchs Bild oder sind irgendwie von hinten zu sehen oder so und ein Drittel macht das eben nicht.

00:18:57: nun bin ich persönlich der Meinung Ein Drittel ist ein Drittel zu viel denn da stecken ja auch lauter Kinder.

00:19:05: Das hört sich jetzt so pathetisch an Kinderschicksale Hinter.

00:19:09: aber, ich glaube schon wir wissen von Kinderstars dass das viel mit der Seele macht und ich persönlich glaube eben es macht auch viel Mit der Kindersäle wenn man in der Zeit in der andere Krabbeln lernen fünf Stunden vor einer künstlichen Beleuchtung im Shooting umgezogen wurde.

00:19:29: Und das Kind eben noch nicht in der Lage ist Nein zu sagen weil's noch gar nicht sprechen kann den Eltern dann zu schildern, hey du kannst das auch anders lösen und trotzdem deinen Erfolg nicht eindüßen.

00:19:43: Das finde ich schon auf jeden Fall ein Versuch wert.

00:19:47: ihr lieben Zyniker in der Welt da draußen!

00:19:50: Das fände ich schon gut.

00:19:51: ehrlich dafür sollten uns die Kinder einfach auch wichtig genug sein ist es zu probieren.

00:19:57: Ja ich finde auch interessant dass Sie erwähnen, das steht ja auch in der Studie, dass viele von den Influencerinnen ja erstmal selber bekannt werden und dann irgendwann Kinder bekommen.

00:20:07: Also die fangen nicht als FamilieninfluencerInnen an, sondern das Kind wird halt leider auch irgendwie so ein Stück Content.

00:20:14: was dann dazu kommt?

00:20:16: Ja viele der untersuchten Profile also die waren ja unterschiedlich in der Reichweite.

00:20:21: Das war ein ganz klug gewähltes Sample vom Hans-Bredo-Institut Und einige waren eben vorher schon sehr reichweiten stark.

00:20:29: und wenn die dann Kinder bekommen haben Dann konnte man auch ablesen dass die Kinderpostings eine wahnsinnige Reichweite erzeugt haben und da ganz besonders die null bis zweijährigen, also wenn die Kinder null bis zwei Jahre alt waren.

00:20:46: Letztes Stichwort wir haben es ganz am Anfang schon einmal genannt Jugendmedienschutz.

00:20:50: also wirklich ihr direkter Beritt.

00:20:53: in der Studie steht auch eine Möglichkeit wäre dass man wirklich mehr Möglichkeiten für Aufsichtsbehörden, also für die Landesmedienanstalten zum Beispiel schafft ordnungsrechtlich vorzugehen.

00:21:03: Ist das was Sie sich wünschen?

00:21:05: Ich wünsche mir natürlich immer zeitgemäße Vorschriften und ich bin aber auch immer jemand der sagt wir können schon auch arbeiten.

00:21:13: allerdings ist der Phänomen Family Influencing im jetzigen Jugendmedienschutzstaatsvertrag einfach nicht angelegt.

00:21:21: es gibt da eine Norm in Paragraph sechs die richtet sich an Werbetreibende, die mit ihrer Werbung Kinder ansprechen.

00:21:29: Das ist sehr klar geregelt, das nämlich unzulässig.

00:21:32: Also man darf nicht werben so dass quasi die Kinder betteln, oh ja mach das, mach das weil wenn wir das kaufen den und dem Schokoriegel dann kriege ich noch einen zweiten geschenkt.

00:21:45: So es gibt aber keine exkluzierte Regelung im JMS TV Wenn Die Werbung von Kindern gemacht wird sozusagen im Bereich des Family Influencing nicht in einem regulären Filmset sind.

00:22:01: Das ist eben großer Unterschied zum klassischen Family-Influencing, wo man häufig weiß das Kind wohnt und der und der Staat.

00:22:09: vielleicht sieht das Haussohn so aus?

00:22:11: Vielleicht kennt man sogar die Straße oder den Ortsteil wenn es blöd läuft auch den Namen... Das ist einfach eine andere Identifizierbarkeit der Kinder ob sie's wollen oder nicht.

00:22:25: Und wenn wir jetzt in den JMS TV eine Regelung bekämen, dass wir in solchen Fällen tätig werden könnten.

00:22:33: Weil wir wüssten das ist klassisches Family Influencing hierfür gibt es keine Genehmigung oder Anzeige darüber wir vorhin schon kurz gesprochen haben dann wäre das sicherlich auch mehr als ein Gedanken wert.

00:22:52: In dieser ganzen doch recht komplexen Gemengelager haben wir ja jetzt auch gehört, ganz verschiedene Ebenen auf denen das auch stattfindet.

00:23:00: Wenn Sie jetzt eine Sache sofort quasi per Finger Schnips ändern könnten?

00:23:03: Was wäre das?

00:23:05: Ich glaube dass ich es gut finde wenn alle Agenturen über Nacht diese Kinderschutzklauseln in die Verträge nehmen und auch ernst nehmen würden weil damit schon sozusagen ein sehr großer Bereich abgedeckt wäre Plattformen sich an ihre jetzt schon bestehenden Community Guidelines halten würden.

00:23:28: Ich weiß, da habe ich einen geschummelten zweiten Punkt mit rein gepackt aber vielleicht merkt das niemand.

00:23:34: Cornelia Holsten vielen Dank für das Gespräch!

00:23:37: Danke Ihnen hat Spaß gemacht.

00:23:40: In der Beschreibung zu dieser Folge findet ihr selbstverständlich die Links zur Studie und zu den Handlungsempfehlungen der Landesmedienanstalten – und damit zum Medienkritik.

00:23:52: Ich finde es schon immer wieder ein bisschen witzig, welche Formate auf Social Media gut laufen.

00:23:57: Streiche zum Beispiel!

00:23:59: Nur dass sie dort halt pranks heißen.

00:24:01: Mutproben, aka Challenges und erstaunlicherweise auch immer wieder Partyspiele.

00:24:07: Irgendwie haben wir anscheinend Lust darauf zu sehen wie sich nicht nur unsere Echten sondern auch unsere parasoziale Freunde blamieren.

00:24:15: Know your bro.

00:24:16: Ein TikTok und Instagram-Format, was von BR-Voluntärinnen rund um die Frage entwickelt wurde – Was ist gesunde Männlichkeit heute?

00:24:24: Basiert augenscheinlich auf einem Spiel das viele vielleicht von Polter-, Abenden oder Hochzeiten kennen.

00:24:30: Zwei Personen, die sich eigentlich gut kennen sollten bekommen eine Frage gestellt.

00:24:34: Eine der beiden Personen antwortet selbst, die andere versucht zu raten, was ihr gegenüber antworten wird.

00:24:40: Wenn die gegebenen Antworten übereinstimmen, ist das ein gutes Ohm für die Zukunft!

00:24:45: Und wenn sich kein Hochzeitspaar gegenüber sitzt, sondern wie beim BR zwei beste Kumpels?

00:24:50: Bros.

00:24:51: eben gibt es auch Kohle dafür.

00:24:54: Wie gut kennst du deinen besten Bro?

00:24:59: Boah ist das eine schwierige Frage!

00:25:01: Zwei Freunde.

00:25:01: Ich kenne

00:25:02: doch meinen.

00:25:03: Ach Der kennt mich ja auch von klein

00:25:04: auf Drei Fragen Eigentlich ein No-Brainer Von Funny bis Deep.

00:25:10: Was gib mir selbst so was zu sagen?

00:25:11: Was schätzt Du an mir am meisten ey?

00:25:13: Ich bin am Zweifeln.

00:25:14: Ich glaube, dass er da aufkommen

00:25:15: wird.

00:25:15: Und die Chance of Cash!

00:25:45: Das Feld der gezeigten Bros.

00:25:47: ist gut vermessen, sowohl vom Alter als auch von den Hintergründen.

00:25:50: Von Patrick und Jorge – zwei Normalos mit Latino-Wurzeln bis zu Mari und Jensen – den Social Media Botschaftern des Landes Bayern ist alles dabei!

00:26:00: Aber man hat auch nur eine Minute dreißig Zeit was für ein Social Video schon viel ist um sich diesen Menschen zu nähern, von denen man eventuell noch nie gehört hat.

00:26:10: Wie groß ist der Hook da wirklich?

00:26:12: Im endlosen Skrollen an einem solchen Gameshow-Video hängen zu bleiben, wenn man die Leute nicht kennt und dann vielleicht sogar gezielt wiederzukommen um andere Antworten von anderen Leuten zu hören, die man noch weniger kennt.

00:26:25: Nur um sich ein bisschen gesunde Männlichkeit abzuholen?

00:26:28: Ich befürchte eher gering!

00:26:31: Das zeigen aktuell auch die Follower Likes und Kommentare des jungen Formats.

00:26:35: Know Your Bro ist die Artspiel Die Content Creators auch ganz von selbst auf ihren Accounts spielen würden ohne dass der BR sie dafür ins Studio einladen muss.

00:26:44: Vielleicht reicht es ja, das der Sender den Gedanken ins Netz gepflanzt hat.

00:26:48: Möge er sich verbreiten und überall aufgehen!

00:26:57: Und damit sind wir wieder am Ende von läuft.

00:26:59: Wenn ihr Feedback habt schreibt uns eine E-Mail an medienatepd.de oder kommentiert unsere Beiträge auf Social Media.

00:27:07: Ihr findet EPD Medien auf LinkedIn Das Grimme Institute Auf Instagram LinkedIn und Threads.

00:27:13: Mich findet ihr außerdem auf Blue Sky.

00:27:15: Wenn euch dieser Podcast gefallen hat, empfehlt uns überall weiter wo ihr könnt bitte.

00:27:19: Erzählt einem Freund oder einer Freundin von dieser Folge Oder schickt sie eurem Lieblings Family Influencer.

00:27:25: Und wenn ihr das nicht schon getan habt, abonniert den Podcast.

00:27:29: Wir haben jeden Monat neue interessante Themen und Gäste und Kritiken.

00:27:33: Die nächste Folge von läuft dann entsprechend in einem Monat.

00:27:37: Bis dahin gönnt euch gutes Programm!

00:27:47: Redaktion Lars Gresser, Alexander Matzkeitsch und Michael Ritter.

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