84. Resonanz statt Reichweite: Journalismus in freier Wildbahn
Shownotes
Medien, die in ihr natürliches Habitat zurückkehren – mitten zwischen die Menschen. Diesen Gedanken verfolgt Alexander von Streit in seinem Projekt „Media Rewilding“. Der Krautreporter-Mitgründer und ehemalige Chefredakteur untersucht, wie Journalismus wieder sichtbarer werden kann: auf Bühnen, in Cafés, Begegnungshäusern oder bei Veranstaltungen, bei denen Menschen nicht nur Inhalte konsumieren, sondern sich auch begegnen.
Für seine ersten Fallstudien hat von Streit unter anderem das Berliner Medienhaus Publix, journalistische Bühnenshows und neue hybride Orte wie das Correctiv-Café „Spotlight“ betrachtet. Seine These: Journalismus sollte nicht nur nach Reichweite streben, sondern stärker nach Resonanz. Statt möglichst viele Menschen zu erreichen, müsse er Beziehungen aufbauen, die Vertrauen schaffen und langfristig wirken. Im Gespräch mit Alexander Matzkeit erklärt von Streit, was er sich von dieser Art „Auswilderung“ von Medien verspricht und diskutiert, ob solche Formate tatsächlich neue Zielgruppen erreichen.
In der Medienkritik: Das neue Online-Nachrichtenformat "Warum?" von Arte.
Links zur Sendung:
Media Rewilding
LÄUFT #83: Wenn KI die Medienkrise nicht lösen wird, was dann? mit Maria Exner
epd medien: Spaß mit Fakten (Kritik zu "Fun Facts")
arte.tv: Warum?
YouTube: Warum?
Jetzt Beiträge für den Grimme Online Award einreichen!
Eine Produktion von epd medien und Grimme-Institut 2026
Transkript anzeigen
00:00:05: Herzlich willkommen zu läuft dem Podcast von EPD-Medien und Grimme Institute.
00:00:10: Medien, die in ihr natürliches Habitat zurückkehren.
00:00:13: Das heißt mitten zwischen den Menschen!
00:00:16: Das beobachtet Alexander von Streit in seinem Projekt Media Rewilding – ein Reportagennewsletter, in dem es um Journalismus auf Bühnen, Festivals und an anderen öffentlichen Orten geht.
00:00:28: Von Streit ist Herausgeber und ehemaliger Chefredakteur von Krautreporter sowie Mitgründer vom Medien-Think Tank Volker.
00:00:35: Wir kennen uns noch aus der Zeit beim Journalismus-Kurationsportal Pict, er hat also Erfahrung mit vielen verschiedenen Formen von Journalismus.
00:00:49: In gewisser Weise ist dieser Podcast eine Fortsetzung der Folge aus dem letzten Monat.
00:00:53: Dort hat Publix-Intendantin Maria Exnaya von ihrem Medienhaus in Berlin berichtet und Publx war auch eines der ersten Beispiele das Alexander von Streit betrachtet hat.
00:01:04: Aus seinen ersten Stichprobenbeobachtungen hat Alex vor kurzem einen ersten Bericht destilliert, in dem er Bilanz zieht.
00:01:11: Ich finde dass er bereits einige interessante Lektionen aus den Journalismus Samenbomben gezogen hat die er betrachtet hat.
00:01:19: unter anderem hatte eine neue Logik für den Journalismus vorgeschlagen die nicht auf Reichweite sondern auf Resonanz beruhen soll.
00:01:27: was er damit genau meint und wo seine bisherige Arbeit noch Lücken aufweist darüber sprechen wir gleich im Interview Und in der Medienkritik.
00:01:35: danach ein neues online Nachrichtenformat von Arte.
00:01:39: Es heißt, warum?
00:01:42: Mein Name ist auch Alex Alexander-Mazkait.
00:01:44: Schön das ihr zuhört!
00:01:50: Hallo Alex!
00:01:51: Wir wollen über Media Rewilding sprechen und mich interessiert natürlich wie bist du überhaupt darauf gekommen?
00:01:57: was hat dich dazu inspiriert dich näher mit diesem Thema auseinanderzusetzen?
00:02:01: In den vielen Jahren, in denen ich Grautreporter gegründet und betrieben habe hat mich natürlich das Thema Journalismus und Publikum, Journalismus & Community sehr, sehr umgetrieben.
00:02:12: Und hat auch mein Blick darauf verändert wie Journalismus eigentlich gedacht werden müsste.
00:02:18: Am Ende bin ich zu so einem Satz gelangt, den ich aber nie weiter verfolgt hab nämlich vielleicht ist Journalismus am Ende nicht nur ein Gespräch sondern vielleicht irgendwas wie eine Kneipe oder einen Kaffee Und das fand ich immer ganz inspirierend für mich selber auch.
00:02:35: Das war aber auch immer der Schlusspunkt meiner Überlegung, wenn ich darüber gesprochen habe und letztes Jahr hab' ich diesen Schlusspunkt einfach als Anfangspunkt genommen und hab' Media Rewilding gestartet, dass nämlich genau diese Frage versucht zu
00:02:48: beantworten.".
00:02:49: Du schreibst in dem Intro zu deinem gerade erschienenen Report – Als allererstes.
00:02:54: eigentlich haben wir es ja hinbekommen!
00:02:57: Also du schreibst, dass Journalismus im digitalen Jahr sehr präsent ist.
00:03:02: Dazu meine Rückfrage wäre präsente?
00:03:04: Ja aber das Geschäftsmodell hat sich doch dadurch noch nicht so ganz erschlossen oder?
00:03:11: Da bin ich gar nicht so sicher.
00:03:12: wir haben es ja schon geschafft Journalismus als Geschäft in den digitalen Raum hinüber zu heben die Größe des Geschäftes vielleicht an vielen Stellen nicht so wie früher in den traditionellen analogen Kanälen Aber wir sehen ja, auf weil die digitale Membership und eine zeitlang auch anzeigenbasierte Modelle.
00:03:35: Also da ist schon einiges passiert.
00:03:37: also ich glaube dass wir es schon hinbekommen haben.
00:03:40: Journalismus endlich in den digitalen Raum zu bekommen hat aber auch sehr lang gedauert also im Prinzip zwei Jahrzehnte Die Branche, viele Medienhäuser sehr schwerfällig sich in diese Richtung bewegt haben.
00:03:55: Inzwischen sind wir da aber tatsächlich ist das noch nicht die Lösung für alles.
00:04:01: Du sagst es fehlen die Orte.
00:04:03: also es gibt keine digitalen Orte und zum Teil halt auch keine analogen Orte.
00:04:07: warum sind Beziehung und Begegnungen deiner Meinung nach so wichtig für Journalismus?
00:04:12: Also generell erlebt ja Journalismus davon dass das mit Informationen in Kontakt kommt und dass er diese Information mit Menschen oder mit einem Publikum wiederum in Kontakt bringt.
00:04:25: Und insofern sprechen wir schon da sofort von Beziehungen, und es ist nicht so das im digitalen Raum, dass wir da keine Orte gefunden haben.
00:04:33: ich glaube wir haben es tatsächlich geschafft in den sozialen Medien die ja tatsächlich die wichtigste Infrastruktur im digitalem Raum fast schon sind Da haben wir es geschafft, Ort zu bespielen und auch Communities zu erschaffen.
00:04:52: Das Problem ist eben bloß dass die Infrastruktur von sozialen Medien wenn man sie überhaupt so nennen will also von den großen Plattformen nur den Betreibern dieser Plattform dient aber nicht der Logik von Journalismus.
00:05:09: Deswegen werden wir als Journalistinnen mit unseren Inhalten dort gar nicht mehr so gut behandelt und so bevorzugt ausgespielt, wie das mal in der Zeit lang war.
00:05:22: Und deswegen werden wir mit Journalismus auch immer unsichtbarer im digitalen Raum weil wir in Konkurrenz treten mit vielen anderen aufmerksamkeitsorientierten Inhalten.
00:05:33: und je weniger wir sichtbar sind dass du Derker leidet darunter die Beziehung von Journalismus und Menschen, die ihn nutzen können oder mit ihm in Kontakt treten können.
00:05:45: Und deswegen müssen wir darüber nachdenken wie wir zusätzliche Orte schaffen an denen das basieren kann.
00:05:53: Was ich interessant finde an dem Begriff Rewilding, das bedeutet ja Wiederauswilderung du erklärst auch wo der herkommt Ist das das ja so ein bisschen impliziert, dass es schon mal eine Wildheit gab früher die man wieder herstellen muss.
00:06:07: Wie sah die denn aus?
00:06:10: Ich würde es nicht Wildheit nennen sondern Natürlichkeit.
00:06:12: vielleicht.
00:06:13: also wenn wir das auf schon Lokaljournalismus reduzieren wollen einmal dann ist klassische Lokal-Journalismus dass man vor Ort sich mit Dingen beschäftigt, mit Menschen spricht, nahbar ist, vielleicht auf dem Marktplatz steht das ganz früher irgendwie Marktschreie, vielleicht sogar auf dem Marktplatz standen bevor wir davon Journalismus sprechen.
00:06:34: Aber dass dieses sich bewegen von Journalistinnen im gesellschaftlichen Raum das es ein normal Zustand ist und auch die Sichtbarkeit und auch das Konsumieren von Journalismus in einem gesellschaftlichem Raum eine natürliche Vorgang war weil es einfach früher auch gar keine oder wenig andere Möglichkeiten gab um einen Informationen und eventuell auch Unterhaltungen zu kommen.
00:07:01: Also da saßen wir einfach sehr fett auf traditionellen Kanälen, die durch uns bespielt wurden – das ist heute nicht mehr so!
00:07:09: Und ich glaube dass wenn wir von dieser Auswilderung sprechen wollen müssen wir uns das Bild vorstellen, dass wir uns ein bisschen aus dem gesellschaftlichen Raum rausbewegt haben Auch physisch, viele Lokalredaktionen sind an einen Stadtrand gezogen.
00:07:27: In praktische Bauten sind nicht mehr personell unterwegs auch weil sie das einfach von den Ressourcen gar nicht mehr schaffen aber auch weil digitaler Journalismus das gar nicht mir an jeder Stelle benötigt vielleicht oder die Metriken des digitalen Journalismus einfach einen schnelleren Journalismus erfordern der sich bewegen im öffentlichen Raum gar nicht fördert, würde ich mal sagen.
00:07:54: Und wenn wir jetzt also von so einer Ausbildung sprechen dann sehe ich das eher so dass wir Journalistinnen und wir Journalismusorganisationen, dass wir wieder natürlicher Teil im Gesellschaftsbild werden und dafür müssen wir...wenn man bei diesen Metaphern bleiben will, müssen wir kleine Samenbomben, Journalismus-Samenbombe in die Gesellschaft wieder reinwerfen damit an verschiedenen Ecken Sachen entstehen und wachsen und mittelfristig vielleicht eben diese Renaturierung wiederherstellen.
00:08:28: Bedeutet das auch, dass ein Verständnis dafür verloren gegangen ist wie Journalismus funktioniert?
00:08:35: Denn da habe ich fast den Eindruck, dass es heute transparenter als geht zuvor.
00:08:40: alleine durch zum Beispiel Präsentervormate oder die Präsenz von Journalistinnen auf Social Media hab' ich den Eindruck wenn man heute herausfinden will, wie Journalismus funktioniert.
00:08:51: Geht das heute viel leichter als früher?
00:08:54: Als zwar vielleicht die Journalistin selbst noch mehr mit den Menschen gesprochen haben aber die Praxis der Medienerstellung noch viel intransparenter war.
00:09:03: Ja da würde ich dir absolut zustimmen.
00:09:06: Da sind wir wirklich viele Schritte weitergekommen.
00:09:09: Das Problem ist aber dass Du wie du ja sagtest wenn ich herausfinden Will und viele Menschen müssen gar nicht mehr herausfinden, wie Journalismus funktioniert.
00:09:20: Weil sie sich per Sie vielleicht gar nicht so für den Anführungszeichen Journalismus interessieren – also für das Metis und die Produktionen, sondern sie interessieren sich für Inhalte.
00:09:33: Das ist gar nicht alle Journalismus, was konsumiert werden muss.
00:09:38: Ich glaube, dass dieser Überbegriff in der gesellschaftlichen Bedeutung gerade nachlässt.
00:09:47: so schlimm vielleicht, aber das was inhaltlich eben gemacht wird muss weiter bestehen.
00:09:53: Du hast ja für dein Projekt bisher schon verschiedene Orte angeschaut.
00:09:56: ich zähl mal ein paar auf die in dem Report auftauchen.
00:09:58: also da gibt es einmal Jive von der Firma Headliner.
00:10:01: das ist so Journalismus als Show aufbereitet.
00:10:05: korrektiv hat sowas ja auch schonmal gemacht mit zur Theatervorstellung dann Publix ein Begegnungshaus in Berlin wo verschiedene journalistische Institutionen aufeinander und auf das Publikum treffen sollen.
00:10:17: Dann hat Korrektiv in Gelsenkirchen auch ein Café eröffnet, das Spotlight heißt was also halb Café, halb Redaktion ist.
00:10:26: Ergänzend könnte man vielleicht noch sowas wo ich vor kurzem drüber geschrieben habe es gibt jetzt dieses Projekt Fun Facts was aus dem Kabarett kommt was live auf der Bühne stattfindet und dann als Video auf YouTube landet.
00:10:37: Was sind denn so Gemeinsamkeiten und Unterschiede die du bemerkt hast bei Anschauen dieser Case Studies?
00:10:45: Also die Gemeinsamkeit, die interessante Gemeinsammigkeit ist eigentlich die das Menschen zusammenkommen und gleichzeitig sich mit einem Thema beschäftigen.
00:10:57: Und das ist sehr interessant weil es einen sehr emotionalen Bezug zu Inhalten auch ermöglichen kann oder auch zu den Marken und Menschen die sie transportieren.
00:11:08: also das ist auf jeden Fall ein Punkt.
00:11:10: das andere ist die Offenheit dass man wenn man will Zugang zu Journalismus und auch ins Innere von Journalismus bekommt, also das Häuser die sich mit Journalismus beschäftigen.
00:11:22: Traditionell wären das ja eher die Verlagshäuser oder die Medienbetriebe TV-Anstalten
00:11:29: usw.,
00:11:30: dass sie stärker begibbar werden und dass die Türen offen sind und man in das Innere reinkommt und dadurch Teil dieser ganzen dieses ganzen Betriebswirt oder zumindest beobachten der Teil und dort drinnen Dinge erleben kann.
00:11:45: Das heißt aber das was da stattfindet ist eigentlich gar nicht selbst Journalismus in dem Sinne, oder es ist eigentlich so ein bisschen Marketing für Journalismus?
00:11:53: Es ist glaube ich beides und das sind auch mehrere Argumentationslinien die man mit media Rewilding verfolgen kann.
00:12:03: Brandmarketing, also dass Menschen eine Marke oder Journalismus oder Journalismus Personen erkennen lernen näher kommen und dadurch wieder Vertrauen finden zu den Marken oder zur Journalismus an sich.
00:12:20: Und dadurch nachhaltig in eine Beziehung treten die eventuell auch eine geschäftliche Beziehungen am Ende ist im Form von Mitgliedschaften oder anderen erlösen.
00:12:31: Und das andere ist aber, dass wir diese Veranstaltung oder auch ein Café, das gleichzeitig eine Lokalredaktion ist und dort Dinge veranstaltet.
00:12:42: Das gleichzeitig auch einen Distributionskanal und auch ein Format für Inhalte – für unsere Recherchen mit dem wir uns bisher viel zu wenig beschäftigen.
00:12:53: Dafür gibt es viele Gründe.
00:12:55: Aber ich glaube, Formaten und nach diesen Möglichkeiten sehr stark wachsen wird.
00:13:05: Hast du denn den Eindruck, dass man damit auch Menschen erreicht die sich nicht sowieso schon dafür interessieren?
00:13:10: Generell ja was ich bisher gesehen habe also gerade so eine Journalismus-Bühnen Show zieht natürlich erstmal ein interessiertes Publikum also Menschen die sich vielleicht für Journalismus interessieren sowie Ich zum Beispiel, ich gehe da richtig gerne rein.
00:13:27: Aber das ist ja auch mein Beruf und meine Leidenschaft.
00:13:30: Dann gibt es bestimmt Menschen die nicht den Beruf haben aber sich interessieren und offen sind für solche Dinge.
00:13:37: Ich glaube am Ende ist es eben die Frage der Inhalte, die dort angeboten werden und auf der Formate, die angeboten werden ob das angenommen wird.
00:13:50: sind diese Begegnungsformate, also dörtliche Veranstaltungen, örtliche Begegnungen sind eine Möglichkeit tatsächlich auch Menschen anzusprechen die jetzt keinen Bezug haben zu Journalismus.
00:14:04: Die sich auch für Journalismus an sich nicht interessieren aber für die Inhalte die dort sind und ich glaube über Themen aber auch über interessante Formate du hast Funfact gesagt, Funfact kriegt man Menschen mit Informationen zusammen.
00:14:19: Aber ist das nicht auch so bisschen traurig, dass dadurch teilweise so ein bisschen der Eindruck entsteht?
00:14:24: Man muss den Journalismus die Leuten so unterjubeln.
00:14:28: So wie keine Ahnung wenn man das Gemüse heimlich in dem Essen für das kleine Kind versteckt.
00:14:33: Ich finde nicht, dass man das verstecken muss.
00:14:35: Man kann das ganz offen sagen.
00:14:37: was es ist sollte man ja auch.
00:14:39: wir haben wirklich etwas zu bieten und das sind tolle Sachen.
00:14:42: zum Teil zb hat die süddeutsche Zeitung neulich zehn Jahre Panamapapers in einem großen Münchner Kino veranstaltet und Die Veranstaltung war ausverkauft.
00:14:53: ich wollte mir noch eine karte kaufen habe sie nicht mehr bekommen.
00:14:55: also man sieht da ist schon Interesse danach.
00:14:58: Da stand ganz klar drüber Panamapapers und ja, hier ist Journalismus der irgendwie gefeiert und präsentiert wird.
00:15:09: Und es kommen trotzdem nicht alle glaube ich wegen weil das die SZ ist also die Süddeutsche Zeitung die natürlich eine wichtige Zeitung in München und deutschlandweit sondern es kommen bestimmt auch Menschen die sich dafür interessieren was die Panama Papers damals beinhaltet haben und wie die Recherche funktioniert hat.
00:15:30: Klangestin muss das überhaupt nicht laufen, aber an jedem Anknöpfungspunkt muss nicht Journalismus draufstehen.
00:15:35: Du führst das ja am Ende zusammen in so einer neuen These?
00:15:39: Dass du schreibst es braucht eine andere Logik die nicht Reichweite sondern Beziehung in den Mittelpunkt stellt.
00:15:45: Das nennst du Resonanzlogik.
00:15:48: was bedeutet das?
00:15:49: Ja bisher haben wir gerne so gedacht wenn wir Journalismus produziert oder strategisch geplant haben dann eine Einheit, die Journalismus produziert.
00:16:02: Es gibt ein Produkt das ausgespielt wird also Content in der Regel und damit versuchen wir möglichst viele Menschen zu erreichen und im besten Fall reicht es aus um möglichst viel Geld damit zu verdienen um wiederum das journalistische Produkt zu finanzieren.
00:16:21: Das ist eine legitime Logik und hat auch lange so funktioniert.
00:16:27: Die darf man auch nicht vergessen, aber ich glaube wir müssen eine andere Komponente mit einbauen und auch höher stellen als vieles andere.
00:16:36: Das ist nämlich die Resonanz Und diese wird bisher nicht immer mitgedacht in Strategien und das meint dass wir bei jedem journalistischen Produkt dass wir machen journalistischen Kanal, den wir bedienen.
00:16:53: Dass wir stärker darüber nachdenken welche Resonanz erzeugt dieses Format das ich ausspiele oder dass sich aufführe wenn wir da in den physischen Raum gehen.
00:17:03: Welche Resonance erzeugte es bei den Menschen und welcher Resonanzen kommt bei uns als Medium dann wieder an?
00:17:10: Als Journalismus?
00:17:11: und am Ende steht dahinter der Gedanke, dass wir uns als ein Ökosystem vielleicht verstehen müssen indem sich Journalistinnen, Medienorganisationen und Menschen die mit Informationen in Kontakt kommen wollen oder können sich drin bewegen als ein System das sich miteinander bedingt.
00:17:36: Das ist die Neuerung die wir in unsere Strategien einbringen müssen eventuell auch mit neuen Tools.
00:17:45: ich nenne das Resonanzpläne.
00:17:47: an so etwas muss man einfach noch ein bisschen arbeiten.
00:17:50: Wie lässt sich Resonanz denn messen?
00:17:52: Soweit bin ich noch nicht wieder die konkreten KPIs sein können.
00:17:57: Aber natürlich ist die Frage, was kommt am Ende von einer Veranstaltung?
00:18:03: Was spielt sich wieder zurück ins journalistische Produkt?
00:18:06: Das kann inhaltlich natürlich sein das kann aber auch eine Loyalität gegenüber der Marke sein und wahrscheinlich am besten konkret messen lässt es am Ende dann doch wieder in Mitgliedschaften eventuell, aber auch in wiederkehrenden Besuchern.
00:18:25: Also gerade wenn wir jetzt von Events sprechen sollten wir nicht über experimentelle Einmalversuche also die kann man auch machen, aber sie bringen nicht nachhaltig was sprechen sondern über wiederkehlende Formate und Orte die wir bespielen so dass die Leute dauerhaft immer wiederkommen können.
00:18:45: und ich glaube eine wichtige Metrik.
00:18:48: Dabei wird eben sein, kommen Menschen immer wieder zu uns an diese Orte oder an diesen Events die wir
00:18:56: veranstalten.".
00:18:57: Das heißt so ließe sich Resonanz dann auch in Finanzierung umwandeln?
00:19:03: Dafür gibt es bestimmt viele Möglichkeiten.
00:19:05: des naheliegendste ist natürlich die Mitgliedschaft.
00:19:08: Wir haben bisher mehrere Leute schon gesagt mit Veranstaltungen experimentiert haben das aus einer Veranstaltung heraus genau null Mitgliedschaften erzeugen lassen.
00:19:22: Also QR-Codes die man auslegt, Aufrufe und so weiter das ist alles... Das bringt nichts.
00:19:28: aber wie immer es ist natürlich so wenn man es schafft.
00:19:31: einen.
00:19:32: also wenn man das jetzt hier vom Vertriebslogik sieht Wenn man ein Pfanne gut befüllen kann und das sind wiederkernte Besucher dann werden sie vielleicht irgendwann Mitglieder oder Sie kaufen irgendwann zusätzlichen Produkte die ein Verlag anbietet vielleicht Magazine oder sie kommen einfach auch nur regelmäßig in das digitale Angebot.
00:19:55: also auch dafür ist ja der die analoge Begegnung einen.
00:20:00: Transmissionsriemen diese Vertrauensbildung die dort geschaffen wird bringt die Leute am Ende dazu auch aktiv zu den Marken zu gehen um sich zu informieren im digitalen Raum.
00:20:10: und dass es sehr wichtig weil unsere Informationen und unsere Hauptkommunikation der Nahen.
00:20:16: Und auch später in Zukunft wird ja sehr, sehr digital sein – ist das ja jetzt schon?
00:20:21: Die Frage ist eben bloß ob Menschen sich überhaupt die Mühe machen noch zur Medienmarken oder zur journalistischen Marken explizit zu gehen oder ob sie einfach doch nur ein KI-betriebenes Angebot nutzen also zum Beispiel einen Chatbot oder einen Assistententin diese später haben werden Um zu fragen, was sind denn die wichtigsten News heute?
00:20:43: Erzählen wir doch alles über und Pipapo.
00:20:46: Und vielleicht schaffen wir es ja durch diese Vertrauensbildung und diese Resonanz, die wir erzeugen Menschen tatsächlich um diese schnellen Antworten herumzubringen direkt zu uns als Journalismus und dass sie dann mit journalistischen Marken und Produkten sprechen und nicht mehr mit Tech-Firmen, die ihnen einen Abstract geben.
00:21:10: Du hast es eben schon so ein bisschen angedeutet, dass diese Resonanz ja dann nicht nur bei den Konsumentinnen entsteht sondern auch vielleicht in den Redaktionen durch diesen Austausch.
00:21:19: Hast du da was beobachten können das das was verändert?
00:21:23: Nicht im Bezug auf die Veranstaltungen weil tatsächlich das fällt noch recht dünn besiedelt ist.
00:21:32: Ansonsten ist es natürlich eher eine generelle Sache und die habe ich natürlich bei Grautreporter den letzten zwölf Jahren stark beobachten können, wenn man in einer engen Beziehung geht, die Resonanz ermöglicht und erzeugt mit den Menschen, der Community, die das Medium trägt oder sich dafür interessiert.
00:21:53: Wenn man da diese enge Beziehungen eingeht dann erzeugte es eine Resonanzen in den Journalismus herein und wenn der journalistische Produkt oder die Menschen, die es machen bereit sind diese Resonanz aufzunehmen dann verbessert das den Journalismus tatsächlich stark.
00:22:10: Und das gibt es ja in vielen Redaktionen schon und ist nicht eine Sache die Crowdreporter erfunden hat.
00:22:16: aber ich glaube dass wir das noch sehr stark über den analogen Raum für die Zukunft erzeugen können.
00:22:24: Jetzt tritt dein Projekt in die Phase zwei ein.
00:22:27: Was hast du da konkret vor, was hoffst du noch zu finden?
00:22:30: Es ist so dass ich in der ersten Phase, die mit einem Fellowship das Mediale Bayern erstarten konnte, sonst hätte ich das vielleicht auch nie begonnen weil es dann doch relativ zeitaufwendig ist, tatsächlich nur ein paar Spitzen beobachten konnte und ein erstes Gefühl für die gesamte Situation bekommen konnte.
00:22:51: Und in der Phase II habe ich mir nun vorgenommen, sehr viel mehr zu kartografieren was dort passiert und auch strategische Konsequenzen daraus zu formulieren.
00:23:02: Und Phase II hab' ich mir vorgenommen für dieses Jahr, zum Beispiel im Jahr ist es im Jahr zwanzig.
00:23:07: Ich hoffe, dass sich am Ende dieser Phase sehr viel konkreter sagen kann, was funktioniert nicht und warum das so ist und Daraus Handlungsanweisungen formulieren kann für Menschen, die diesen Weg folgen wollen.
00:23:25: Dann wünsche ich dir viel Erfolg dabei und danke dir für das Gespräch!
00:23:28: Sehr gerne, vielen Dank!
00:23:31: Einen Link zu Media Rewilding und dem Report findet ihr selbstverständlich in der Podcastbeschreibung.
00:23:38: Und übrigens?
00:23:39: Die Einreichungsphase für den Grimme Online Award ist gestartet.
00:23:42: Bis zum einund dreißigsten Juli könnt ihr noch besondere Online-Angebote für einen Preis vorschlagen Websites, Apps, Podcasts Social Media Angebote oder was immer ihr noch hervorheben wollt.
00:23:54: Link ebenfalls in den Show notes.
00:23:56: Damit ist alles geklärt, auf zur Medienkritik.
00:24:03: Wenn Ihr einer Kritikerin oder einem Kritiker mal einen richtigen Schreck einjagen wollt macht es am besten so wie meine Redakteurin und schickt Ihnen eine E-Mail mit der Betreffzeile warum.
00:24:17: Ich habe noch mal Glück gehabt.
00:24:18: In der E-Mail steckte zum Glück kein Infragestell in meiner gesamten bisherigen Arbeit, sondern nur der Hinweis auf ein neues Online-Nachrichtenformat von Arte – das heißt nämlich so!
00:24:36: Warum sorgen Fastfood-Läden für
00:24:45: Ärger?
00:24:45: Wir erklären Ordnen ein, liefern Hintergrund und das in knapp fünf Minuten fünfmal die Woche.
00:24:58: Es stimmt!
00:24:59: Man kann warum auf arte.tv gucken aber machen wir uns nichts vor.
00:25:03: es ist ein YouTube Format.
00:25:05: dort läuft es auf dem recht neuen Kanal Arte Info.
00:25:08: Ende April ist die Sendung gestartet, das heißt es gibt inzwischen schon über vierzig Videos von denen ich mir gut die Hälfte angesehen habe.
00:25:18: Warum sind Nachrichten in der Ästhetik von YouTube Video Essays?
00:25:21: Eigentlich kurze Erklärfilme, in denen eine Journalistin direkt in die Kamera spricht.
00:25:26: Dazu werden Grafiken, leicht verfremdete Bilder und Ohltöne eingespielt – In der Regel gibt's ein Musikbett!
00:25:33: Und am Ende als Fazit eine Zusammenfassung.
00:25:36: Wir haben also verstanden, KI ist immer mehr in der Filmbranche im Einsatz.
00:25:40: KI kann sogar schon ganze Filme produzieren?
00:25:43: So kommen auch mehr Filmemacher dazu einen Film zu machen – selbst mit
00:25:47: kleinem Budget!
00:25:48: Aber dabei gehen halt richtig viele
00:25:50: Arbeitsplätze verloren….
00:25:51: Alles sehr solide Fakten so aufbereitet wie es zum Medium und zur Zielgruppe passt.
00:25:57: Manchmal wirkt der Frankreich-Bezug etwas befremdlich aber das ist halt
00:26:01: Arte.
00:26:02: Daneben gegriffen haben die MacherInnen meiner Ansicht nach nur mit der Ramung als einer Sendung, die Fragen beantwortet.
00:26:08: Angeblich geht es um... Aber das stimmt nicht!
00:26:15: Es geht meistens um Themen zu denen sich die Redaktion im Nachhinein Fragen ausgedacht hat.
00:26:22: Das fängt schon bei der ersten Folge an.
00:26:24: Was hat der Kampf der indigenien Brasiliens mit uns zu tun?
00:26:28: Das haben sich vermutlich wirklich erst sehr wenige Menschen aus sich heraus gefragt.
00:26:33: Mein Highlight, warum eröffnen französische Museen Filialen im Ausland?
00:26:38: In der jungen deutschsprachigen Zielgruppe des Formats lässt sich die Anzahl der Leute, die diese Frage umtreibt vermutlich an zwei Händen abzählen.
00:26:47: Oder meintet wegen an vierzig bis hundert-achtzig Paarhänden!
00:26:51: So viele Abrufe haben nämlich die meisten der Warum-Videos auf YouTube – dreistellige bis niedrige vierstellige Zahlen.
00:26:58: Klar das Format ist noch jung aber die Korrelation ist schon deutlich sichtbar.
00:27:03: Je nichiger das Thema und je weiter geografisch entfernt, desto weniger wird es gefunden.
00:27:08: Gezielt eingeschaltet wird ein tägliches fünf Minuten Format wahrscheinlich auch kaum.
00:27:14: Algorithmen und Aufmerksamkeitsökonomie sind nicht unbedingt Freunde des Journalismus – das hat ja auch Alexander von Streit gesagt!
00:27:21: Dem kann man zu einem gewissen Grad mit Zuspitzung in Titeln-und Thumbnails begegnen wie es andere öffentlich rechtliche Formate bereits machen.
00:27:29: Einen Longtail gibt es bei zeitloseren Nischenthemen vielleicht noch Aber Fragen, die sich kaum jemand stellt sind einfach kein guter Hook um Leute für Nachrichten zu interessieren.
00:27:39: Die neueren Folgen haben das Titel-Format bereits leicht angepasst.
00:27:43: Was hingegen immer geht?
00:27:45: Servicethemen, die nah am Konsumenten sind.
00:27:47: Warum ist die WM für Fans so teuer?
00:27:49: Bam!
00:27:50: Dreihunderttausend Aufrufe.
00:27:52: Hier sind zwei Fragen, wie ich mir stelle.
00:27:55: Erstens Warum denken öffentlich rechtliche Redaktionen immer wieder dass sie das Rad neu erfinden können?
00:28:00: Und zweitens Wem gehört die Jeansjacke über dem Stuhl der immer rechts hinter den Moderatorinnen zu sehen ist.
00:28:07: Links zu Warum gibt's in unseren Shownotes?
00:28:14: Und damit sind wir wieder am Ende von läuft!
00:28:17: Wenn ihr Feedback habt, schreibt uns eine E-Mail an medienatepd.de oder kommentiert unsere Beiträge auf Social Media.
00:28:24: Ihr findet EPD Medien auf LinkedIn Das Grimme Institute Auf Instagram, Linkedin und Threads.
00:28:29: Mich findet ihr außerdem auf BlueSky.
00:28:32: Wenn euch dieser Podcast gefallen hat, empfehlt uns überall weiter wo ihr könnt, erzählt einem Freund oder einer Freundin von dieser Folge.
00:28:39: Oder wildert sie aus und veranstaltet eine Hörparty!
00:28:42: Und wenn ihr das nicht schon getan habt, abonniert den Podcast – wir haben jeden Monat neue interessante Themen, Gäste und Kritiken.
00:28:50: Die nächste Folge von Läuft kommt dann in einem Monat.
00:28:53: bis dahin, gönnt euch gutes Programm!
00:29:04: Redaktion, Lars Gresser, Alexander Matzkeit, Michael Ritter und Dimut Röter.
Neuer Kommentar